Warum Rückfälle kein persönliches Versagen sind
Schon wieder.
Dieser Gedanke trifft viele Menschen härter als jede Zahl auf der Waage.
Schon wieder nicht durchgehalten. Schon wieder die Kontrolle verloren. Dabei war man motiviert, diszipliniert und überzeugt, dass es diesmal anders läuft. Und doch steht man irgendwann in der Küche, greift zu etwas, das man sich längst verboten hat, und weiß im selben Moment: Das fühlt sich nicht gut an.
Was danach folgt, ist oft schlimmer als das Essen selbst. Enttäuschung. Scham. Der stille Vorwurf an sich selbst. Warum kriege ich das einfach nicht hin?
Diese Frage begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder. Und sie beruht auf einer Annahme, die vielen Menschen tief verankert wurde. Dass Rückfälle etwas über ihren Charakter aussagen. Über mangelnde Disziplin oder fehlende Stärke.
Aus körperlicher Sicht ist das eine Fehlinterpretation.
Der Körper erinnert sich länger als der Kopf
Der menschliche Körper ist kein neutrales Objekt, das beliebig formbar wäre. Er ist ein Gedächtnis. Jede Phase von Verzicht, jede radikale Diät, jede Zeit, in der Essen kontrolliert oder moralisch bewertet wurde, hinterlässt Spuren. Nicht als bewusste Erinnerung, sondern tief im Nervensystem.
Der Körper unterscheidet nicht zwischen freiwilligem Kaloriendefizit und echter Bedrohung. Für ihn zählt allein, ob Versorgung sicher ist. Wird über längere Zeit ein Mangel signalisiert, reagiert er zuverlässig.
Hunger Hormone steigen, Sättigungssignale werden leiser. Der Stoffwechsel passt sich an, wird sparsamer. Das Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit stärker auf schnelle Energiequellen. Alte Routinen tauchen wieder auf, nicht weil sie falsch sind, sondern weil sie vertraut sind. Und Vertrautheit bedeutet Sicherheit.
Was viele Menschen als Rückfall erleben, ist in Wahrheit eine Schutzreaktion. Der Körper versucht nicht zu sabotieren. Er versucht zu regulieren.
Warum Disziplin oft genau das Gegenteil bewirkt
Viele klassische Abnehmstrategien setzen auf Kontrolle. Auf Durchhalten. Auf die Idee, dass man es nur stark genug wollen muss. Kurzfristig kann das funktionieren. Langfristig verstärkt es jedoch genau jene Prozesse, die Rückfälle wahrscheinlicher machen.
Disziplin übergeht körperliche Signale. Sie ignoriert Hunger, Erschöpfung und Stress. Je länger dieser Zustand anhält, desto lauter wird der Körper. Nicht aus Trotz, sondern aus biologischer Logik.
Gerade in belastenden Lebensphasen wird Essen dann nicht zum Problem, sondern zur Regulation. Nicht für Hunger, sondern für Überforderung. Für innere Anspannung. Für das Bedürfnis nach Entlastung.
Rückfälle entstehen selten aus Gleichgültigkeit. Sie entstehen aus Erschöpfung.
Rückfälle neu lesen lernen
Ein Rückfall ist kein Beweis dafür, dass etwas nicht funktioniert. Er ist eine Information. Der Körper signalisiert, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Warum habe ich versagt?
Sondern: Was wollte mein Körper in diesem Moment ausgleichen?
War es zu wenig Nahrung? Zu wenig Schlaf. Zu viel Stress. Ein Alltag ohne Pausen. Oder ein innerer Druck, ständig alles richtig machen zu müssen.
Wer beginnt, Rückfälle so zu lesen, nimmt Schuld aus dem Prozess. Und genau dort entsteht Raum für Veränderung.
Eine unbequeme Perspektive
Was wäre, wenn nicht der Mensch das Problem ist, sondern die Methode?
In meiner Arbeit gehe ich nicht davon aus, dass Menschen disziplinierter werden müssen. Sondern dass Körper Stabilität brauchen. Regelmäßigkeit statt radikaler Einschränkung. Versorgung statt Dauer-Defizit. Stressreduktion nicht als Zusatz, sondern als Grundlage.
Der Körper braucht Verlässlichkeit. Erst wenn er sich sicher fühlt, kann er loslassen. Erst dann normalisieren sich Hunger und Sättigung. Erst dann verlieren alte Muster ihre Dringlichkeit.
Veränderung lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht, wenn der Körper nicht mehr im Alarmzustand ist.
Wenn Essen mehr ist als Nahrung
Für viele Menschen war Essen lange Zeit mehr als reine Energiezufuhr. Es war Trost, Belohnung oder ein kurzer Moment von Ruhe. Diese Funktion verschwindet nicht durch Verbote. Sie will verstanden werden.
Wer Essen nicht länger moralisch bewertet, sondern funktional betrachtet, gewinnt Handlungsspielraum. Der Körper lernt durch Wiederholung. Jede Erfahrung von Sicherheit, jede Mahlzeit ohne Schuldgefühl, jede Phase ohne inneren Druck hinterlässt neue Spuren im Körpergedächtnis.
Erfolg neu definieren
Vielleicht liegt der entscheidende Wandel nicht darin, nie wieder aus der Spur zu geraten. Sondern darin, sich in diesen Momenten nicht mehr zu verlieren.
Der Körper ist kein Gegner. Es ist ein System, das gelernt hat, unter schwierigen Bedingungen zu überleben. Wenn wir beginnen, diese Logik zu respektieren, verliert der Rückfall seine Macht.
Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Härte, sondern durch Beziehung. Zum eigenen Körper. Zu seiner Geschichte. Zu seinen Grenzen.
Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues. Nicht perfektes Durchhalten. Sondern echtes Verstehen.
Experten vita Michaela Hörhager, NutriPro
Michaela Hörhager ist eine diplomierte Ernährungs- Trainerin und Gründerin des NutriPro Erfolgskonzepts. Sie begleitet Frauen dabei, ihre Ernährung natürlich, alltagstauglich und ohne Verbote umzustellen. Ihre achtwöchige Methode richtet sich vor allem an Frauen in den Wechseljahren, Mamas nach der Schwangerschaft, Pensionistinnen sowie Menschen, die durch Stress oder Emotionen essen.
Ihr Ansatz verbindet echtes Ernährungswissen mit mentaler Unterstützung, individuellen Routinen und einer vollständig produktiven Begleitung. Das NutriPro Erfolgskonzept hat sich aus ihrer eigenen Erfahrung heraus zu einem Franchise entwickelt, das nachhaltige Ernährungsveränderung ohne Diäten, Shakes oder Druck ermöglicht. Das Team aus Österreich und Deutschland setzt auf: natürliche Lebensmittel und einfach umsetzbare Ernährungsstrategien, die sich flexibel in den Alltag integrieren lassen, denn Ernährung soll sich in Dein Leben einfügen, nicht umgekehrt.
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